Zhenya Pogorelov floh 2022 aus der Ukraine nach Deutschland. Ein Jahr lang besuchte er den Integrationskurs an der Kreisvolkshochschule Vechta e. V. und legte die Deutschprüfung B1 erfolgreich ab. Nun will er die nächste Hürde nehmen und die B2 Prüfung schaffen, um hier in Deutschland beruflich tätig sein zu können. Das klingt erst einmal nicht nach etwas Besonderem, denn viele Geflüchtete aus der Ukraine besuchen die Deutsch- und Integrationskurse an der Kreisvolkshochschule Vechta e. V. Doch Zhenya Pogorelov ist stark sehbehindert. Bedingt durch eine genetische Erkrankung beträgt seine Sehkraft nur rund 5 – 10 Prozent. Der 39-Jährige ist daher auf technische Hilfsmittel wie Tablets, Laptops und digitale Lernmittel angewiesen. „Am Laptop kann ich die Texte, die wir bearbeiten, so stark vergrößern, dass ich sie lesen kann“, erklärt er. „Dadurch lerne ich aber langsamer als die anderen in der Gruppe und ich brauche mehr Zeit, um den Unterricht zu verfolgen“, ergänzt er.
Für Maria Jäger, die als Fachbereichsleiterin Sprachen für die Deutsch- und Integrationskurse an der Kreisvolkshochschule zuständig ist, war schnell klar, wir müssen Zhenya Pogorelov unterstützen, damit er seinen B2 Abschluss schaffen kann. Sie setzte sich mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Hamburg in Verbindung und gemeinsam mit Frank Behrendt, Teamleiter berufsbezogene Deutschförderung, wurde nach Lösungen gesucht. „Oftmals nehmen Teilnehmende mit Sehbehinderungen an speziellen Kursen in Süddeutschland teil, weil es kein wohnortnahes Angebot gibt. Hier ist es gelungen, durch den Austausch und den Einsatz von Frau Jäger eine gute Lösung im Rahmen der Inklusion vor Ort zu finden“, so Frank Behrendt. Das zeige, dass auch lokale Bildungsträger mit kreativen Lösungen Menschen mit Beeinträchtigungen die Unterstützung geben können, die sie benötigen. „Es ist einer der seltenen Fälle dieser Art in ganz Norddeutschland, in denen dies gelungen ist“, lobt Behrendt das Engagement der Kreisvolkshochschule. So bewilligte das BAMF eine finanzielle Förderung, um die Teilnahme am Kurs zu ermöglichen.
Nun erhält Zhenya Pogorelov dreimal pro Woche Einzelunterricht in Deutsch bei der Dozentin Veronika Fraile. „Mein Unterricht ist eine Ergänzung zu dem Gruppenunterricht im Kurs. Wir schauen, wo es Lücken gibt. Der Schwerpunkt liegt aber auf dem aktiven Sprechen, erklärt die Dozentin. „Da Zhenya Pogorelov Buchautor ist, hat er ein sehr großes Interesse an Sprache“, lobt Veronika Fraile sein Engagement. Bereits in der Ukraine hat er Kinderbücher geschrieben. Das möchte er in Deutschland weiter ausbauen. So plant er, die Geschichten ins Deutsche zu übersetzen. Auch könnte er sich vorstellen, Workshops zum Thema Storytelling anzubieten. „Hier in Deutschland kann ich viel Gutes tun“, sagt er. So hat er schon ehrenamtlich Hausaufgabenhilfe in Visbek, seinem jetzigen Wohnort, angeboten. Auch könnte er sich vorstellen, seine Kenntnisse und Erfahrungen in den Bereichen digitale Medien und künstliche Intelligenz beruflich zu nutzen. „Deutschland ist ein Land voller Möglichkeiten, aber gute Sprachkenntnisse sind eine wichtige Voraussetzung“, fasst er zusammen.
Mit der Unterstützung der Kreisvolkshochschule Vechta e. V. kommt er seinen Zielen jetzt ein Stück näher.
Maria Jäger (links), Fachbereichsleiterin Sprachen an der Kreisvolkshochschule Vechta e. V., und Dozentin Veronika Fraile (rechts)
unterstützen den sehbehinderten Ukrainer Zhenya Pogorelov auf seinem Weg zum B2 Abschluss in Deutsch.
Foto: M. Böckermann


